Selbstführung braucht Training – raus aus dem Autopiloten, rein ins Leben

Selbstführung verändert Räume, Menschen und im besten Fall ein kleines Stück ihrer Lebensqualität.

Darum ging es in meinem letzten Blogbeitrag. Doch wie wird aus diesem Gedanken gelebte Veränderung? Wie lernen wir, uns selbst bewusst zu führen – und damit auch anderen Orientierung zu geben?

Indem wir üben. Immer wieder. Auch dann, wenn es unbequem wird.

Denn zu wissen, wie du leben möchtest, ist ein Anfang. Es im Alltag tatsächlich zu tun, braucht Training. Selbstführung ist keine Fähigkeit, die du einmal erlernst und dann für immer beherrschst. Sie entwickelt sich durch bewusste Entscheidungen und Wiederholung.

Da hat Selbstführung etwas mit Tanzen gemeinsam: Vom Zuschauen allein hat noch niemand eine Rumba aufs Parkett gebracht.

Selbstführung begeginnt bevor du aufstehst - Frau wacht auf und macht den Wecker aus

Selbstführung beginnt, bevor du aufstehst

Der Wecker klingelt. Du drückst auf Snooze. Noch einmal. Dann gehst du mit geschlossenen Augen schon deine Termine durch. Was steht heute an? Was ist gestern schiefgelaufen? Vielleicht greifst du gleich zum Handy.

Du bist noch gar nicht aufgestanden – aber der Tag hat dich schon fest im Griff.

Dann Kaffee, Dusche, Arbeit. Die gleiche Strecke, die gleichen Menschen. Und oft auch die gleichen Reaktionen. Abends noch schnell einkaufen, etwas essen, aufs Sofa. Am nächsten Morgen beginnt alles von vorn.

Kommt dir bekannt vor?

Routinen machen vieles leichter. Doch manchmal halten sie auch genau das am Laufen, was wir eigentlich verändern möchten.

Bewusste Selbstführung bedeutet, nicht jeden Gedanken und jede Gewohnheit automatisch das Steuer übernehmen zu lassen. Sondern immer wieder innezuhalten und selbst zu entscheiden, wie du deinem Leben begegnen möchtest.

Deshalb muss der erste Schritt gar nicht groß sein. Wie wäre es, morgens fünf Minuten bei dir anzukommen, bevor du dich um den Rest der Welt kümmerst?

Setz dich auf die Bettkante. Spüre deinen Atem und deinen Körper. Frag dich: Wie geht es mir gerade? Und wie möchte ich diesem Tag begegnen?

Die E-Mails können kurz warten. Sie laufen selten freiwillig weg.

Erst bemerken. Dann verändern.

Wenn du etwas verändern möchtest, musst du zunächst erkennen, was du bisher tust.

Welche Gedanken begleiten dich durch den Tag? Wann wirst du ungeduldig? In welchen Situationen sagst du Ja, obwohl du Nein meinst? Und was passiert dabei in deinem Körper?

Vielleicht ziehst du die Schultern hoch. Hältst den Atem an. Oder bist gedanklich schon bei deiner Antwort, während dein Gegenüber noch spricht.

Genau hier beginnt Selbstführung: Du bemerkst deinen gewohnten Ablauf und schaffst dir einen Moment, in dem du anders entscheiden kannst.

Das gelingt nicht immer sofort. Muss es auch nicht.

Du hast deine bisherigen Reaktionen schließlich lange eingeübt. Neue brauchen ebenfalls Wiederholung.

Selbstführung zu trainieren bedeutet deshalb auch, geduldig mit dir zu bleiben, ohne dich immer wieder in deinen alten Gewohnheiten einzurichten.

Du darfst Fehler machen, neu beginnen und dich selbst dabei besser kennenlernen. Entscheidend ist nicht, dass dir jede neue Entscheidung sofort gelingt, sondern dass du bewusst dranbleibst.

Was mir das Tanzen über Selbstführung beigebracht hat

Wenn mein Tanzpartner und ich eine neue Kür einstudierten, war zunächst vor allem eines beschäftigt: mein Kopf.

Welcher Schritt kommt jetzt? Wohin mit dem Arm? Und wie kommen wir bitte rechtzeitig in die nächste Figur?

Von Leichtigkeit keine Spur. Ich wollte erst einmal irgendwie durchkommen. Möglichst im Takt und mit allen Körperteilen am vorgesehenen Platz.

Also trainierten wir. Jeden Tag.

Nach und nach musste ich weniger nachdenken. Die Bewegungen wurden vertrauter. Mein Tanzpartner und ich fanden zusammen, wurden ein Team. Aus einzelnen Schritten entstand ein Tanz.

Um das zu vertiefen, gingen wir mit dem ganzen Team für mehrere Tage ins Trainingslager. Dort hatten wir Zeit und einen gemeinsamen Fokus. Der Alltag blieb für eine Weile draußen.

Jetzt konnten wir an den Feinheiten arbeiten: am Ausdruck, Technik, an unserer Verbindung, an dem, was wir mit dem Tanz erzählen wollten.

Ich kannte die Bewegungen nicht mehr nur. Ich konnte sie spüren und ausdrücken.

Ich war in der Musik. In der Rumba. In dem, was ich zeigen wollte.

Nach so einem Trainingslager hättest du mich nachts wecken und sagen können: „Eva, den Übergang von der Rumba in den Cha-Cha-Cha, bitte!“

Mein Körper hätte gewusst, was zu tun ist. Ob meine Laune mitgemacht hätte, ist eine andere Frage.

Heute erkenne ich darin viele Parallelen zur Selbstführung.

Denn auch im Leben reicht es nicht, nur zu wissen, wie wir reagieren oder handeln möchten. Wir dürfen das Neue so lange üben, bis es uns zunehmend vertraut wird.

Was wir wiederholen, trainieren wir. Und was wir trainieren, prägt irgendwann unser Denken, Fühlen und Handeln.

Die Komfortzone darf ein Stück größer werden

Zum Training gehörte auch, ehrlich hinzuschauen.

Was funktionierte schon? Wo fehlte die Verbindung? Was brauchte noch Übung?

Rückmeldungen waren nicht immer bequem. Aber wir lernten, sie als Chance zu nutzen. Jeder konnte dem anderen helfen, weiterzukommen.

So wuchsen wir über das hinaus, was uns bereits vertraut war.

Für mich bedeutet das, die Komfortzone zu verlassen: etwas Neues ausprobieren, sich dabei auch einmal unsicher fühlen und entdecken, dass mehr möglich ist als gedacht.

Genau das gehört für mich auch zur Selbstführung. Denn wer sich bewusst führen möchte, darf bereit sein, gewohnte Reaktionen zu hinterfragen und neue Erfahrungen zuzulassen.

Du musst dafür nicht gleich dein ganzes Leben umkrempeln. Manchmal reicht es, eine Grenze auszusprechen. In einem schwierigen Gespräch ruhig zu bleiben. Oder dir eine Pause zu erlauben, bevor du wieder automatisch funktionierst.

Und dann übst du es erneut.

Selbstführung bedeutet nicht, immer alles im Griff zu haben. Sondern zunehmend bewusster damit umzugehen, was in dir und um dich herum geschieht.

Trainingsraum - Teilnehmer im Raum beim Retreat

Meine Retreats: Trainingsraum für bewusste Selbstführung

Aus diesen Erfahrungen sind meine Retreats entstanden. Du könntest auch sagen: Trainingslager für Selbstführung.

Ein anderer Ort schafft Abstand zu den Abläufen, die dich im Alltag immer wieder einholen. Du hast Zeit, hinzuschauen, auszuprobieren und neue Erfahrungen zu sammeln.

Dabei beziehen wir Gedanken, Gefühle und den Körper mit ein. Denn Veränderung soll im Alltag spürbar werden: in deinem Auftreten, deinen Entscheidungen und deiner Art, anderen zu begegnen.

Für mich ist unser Körper das Transformationsfeld. Denn was wir gedanklich verstanden haben, möchten wir schließlich auch fühlen, erfahren und verkörpern.

Schon morgens vor dem Frühstück nehmen wir uns mit Atemübungen und Meditation Zeit, bei uns anzukommen. Wir reflektieren gewohnte Reaktionen und üben neue Möglichkeiten.

Wie fühlt es sich an, klar zu stehen? Raum einzunehmen? Eine Grenze auszusprechen? Wirklich zuzuhören und präsent zu sein?

Die Gruppe unterstützt dich dabei. Sie ermutigt, gibt Rückmeldung und macht manches leichter, was du allein vielleicht wieder auf morgen verschieben würdest.

Der innere Schweinehund darf übrigens mitkommen. Vielleicht wird aus ihm unterwegs ein etwas kooperativeres Schoßhündchen.

Auch die Natur gehört dazu. Sie gibt uns Raum, langsamer zu werden und unsere Aufmerksamkeit wieder auf das zu richten, was gerade da ist.

Je nach Thema arbeiten wir außerdem mit Tieren. Ihre unmittelbaren Reaktionen können ein Anlass sein, die eigene Körpersprache, Anspannung und Präsenz bewusster wahrzunehmen. Ein Tier folgt dir freiwillig, wenn du wahrhaftig bist. Du wirst erleben, dass Energie wesentlich lauter ist, als 1000 Worte.

So wird Selbstführung nicht nur zu einem Gedanken, sondern zu einer Erfahrung. Du erlebst, wie du dich selbst anders wahrnehmen, neue Entscheidungen treffen und bewusster handeln kannst.

Und genau darum geht es mir in meinen Retreats: nicht nur über Veränderung zu sprechen, sondern sie zu trainieren und Schritt für Schritt zu verkörpern.

Aus einem neuen Schritt wird ein neuer Weg

Im Retreat beginnst du, neue Möglichkeiten zu üben. Zu Hause führst du sie weiter.

Denn Veränderung ist ein fortlaufender Prozess. Sie wächst durch die kleinen Momente, in denen du bemerkst: Hier kann ich heute anders handeln.

Selbstführung ist für mich deshalb kein Ziel, das du irgendwann erreichst und dann abhaken kannst. Sie ist eine bewusste Entscheidung, die du jeden Tag aufs Neue treffen darfst.

Es geht darum, klarer zu erkennen, wer du sein möchtest, wie du leben und führen willst – und das Schritt für Schritt zu verkörpern.

Vielleicht beginnt dein Training morgen früh. Fünf Minuten auf der Bettkante. Komme erst einmal bei dir an und starte ganz bewusst in den Tag.

Bevor du dem Tag begegnest, begegnest du erst einmal dir selbst.

Bleib neugierig auf dich und das, was für dich möglich ist.

Deine Eva

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